Akupunktur (Traditionelle Chinesische Medizin und Neurodermitis)

Bevor man sich diesem Thema widmet, muss man sich erst einmal mit den Grundzügen Traditioneller Chinesischer Medizin befassen. TCM ist eine holistische Medizin, das heißt, sie ist ganzheitlich und ein in sich geschlossenes System. Das heißt aber auch, dass die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ein eigenes Diagnose-System hat. Deswegen nützt uns die schulmedizinische Diagnose „Neurodermitis“ erst ein mal wenig. Jedoch können auf Grund der Ähnlichkeiten eines jeden Falles gewisse Grundzüge erkannt werden, die uns dann die Chinesische Diagnose erkennen lassen und deren Therapie dann nach einem zu individualisierenden Standard durchgeführt werden kann.

Zum einen ist zu bemerken, dass Neurodermitis in China bis zum Beginn der 90-er Jahre des vorigen Jahrhunderts praktisch unbekannt war. Es wäre interessant, darüber zu spekulieren, wieso gerade in den letzten 10 – 12 Jahren Neurodermitis anfängt, auch in China aufzutreten und dort zum Problem zu werden. Auffällig ist, dass gerade in dieser Zeit die Kaufkraft in China mächtig gestiegen ist und – auch als Status-Symbol – der Fleischverzehr, insbesondere der Schweinefleischverzehr extrem gestiegen ist. Hier wären also Überlegungen bez. der Diätetik nötig, was uns ja nun auch im Westen bei dieser Erkrankung nicht neu ist. Nebenbei: Die Diätetik ist eine der fünf Grundsäulen der TCM-Therapie, neben der Akupunktur, auf die sich hier der Verfasser im wesentlichen beschränkt, der Kräutertherapie, Tuina (eine Massageform) und Qigong.

Es ist allerdings auch evident, dass in den Ballungszentren die Industrialisierung stark zugenommen hat, andererseits Umweltschutz in China noch weitestgehend ein Fremdwort ist. Und eben in diesen Ballungszentren nimmt auch die Neurodermitis zu.

Bevor wir darauf näher eingehen, müssen wir uns noch etwas tiefer mit dem Diagnose-System der Chinesischen Medizin befassen. Hier werden Krankheitsmuster zunächst nach den 8 Leitkriterien (Ba Gang) eingeordnet, d. h., wir haben 4 Gegensatzpaare:

• Yin Yang
• Innen Außen
• Hitze Kälte
• Leere Fülle

Das heißt, dass wir zunächst betrachten, wo sich eine Krankheit wie abspielt. Das wird am Beispiel der Neurodermitis weiter unten dargestellt werden.

Hinzu kommen aber noch die Verursachungen einer Krankheit, die „drei krankmachenden Faktoren“ (san yin). Diese sind äußere, innere und so genannte neutrale Faktoren. Auch diese erfahren wiederum eine Unterteilung. Die äußeren Faktoren sind:

1) Wind
2) Kälte
3) Hitze
4) Feuchtigkeit
5) Trockenheit
6) Gluthitze

Mit „äußeren Faktoren“ sind also tatsächliche äußere klimatische Einwirkungen gemeint. Hingegen sind mit den inneren Faktoren emotionale gemeint:

1) Lust, Freude
2) Erregung, Zorn
3) Sorgen
4) Grübeln
5) Trauer
6) Furcht
7) Schreck

Zu den so genannten „neutralen Faktoren“ gehören

1) Diätfehler
2) Körperliche Überanstrengung
3) Sexuelle Exzesse

Manche chinesischen Kollegen neigen dazu, Belastungen durch Umweltgifte eben den „neutralen Faktoren“ zuzuordnen. Dies macht auch Sinn, weil sie ähnlich wie die Nahrung aufgenommen werden (ohne hier jetzt eine Diskussion über unsere belasteten „Lebens“-Mittel entfachen zu wollen). Andere wiederum neigen mehr dazu, diese dem Wind zuzuordnen, eben weil sie oft genug vom Wind herangetragen werden. Wenn man dann bei Mac Do...s im Industriegürtel von Shanghai einen neurodermitischen chinesischen Jugendlichen sieht, könnte man allerdings zu der vom Autor unterstützten Auffassung gelangen, dass möglicherweise beide eine Rolle spielen! Das, was ich atme und das, was ich esse!

Betrachten wir uns die Neurodermitis in ihrem typischen Erscheinungsbild nach diesem System einmal an. Zunächst ist es eine Krankheit, die sich auf der Haut abspielt (auch, wenn es keine Hautkrankheit ist!). Nach dem System der 8 Leitkriterien also eine sich im äußeren Bereich abspielende Erkrankung. Weiterhin haben wir eine Rötung = Hitze und die Bläschen sind feuchtigkeitsgefüllt = Feuchtigkeit. Somit haben wir nach chinesischem System also schon mal eine „Feuchte Hitze-Erkrankung“. Das typische Verteilmuster der Neurodermitis (i. G. zur Psoriasis) spielt sich aber z. B. in den Ellenbeugen und den Kniekehlen ab. Diese Stellen gehören zum Yin des menschlichen Körpers. Für einen Artikel im Internet würde es jetzt zu weit führen, dies darzulegen, aber in der Fachliteratur, auch der für Laien, findet man dafür schnell die Erklärung. Also „feuchte Hitze im Yin“, was im Klartext therapeutisch heißt, dass wir das Yin stärken und feuchte Hitze ausleiten müssen. Hinzu kommt aber noch, dass bekanntermaßen die Neurodermitis stark juckt. Juckreiz wird von den Chinesen dem äußeren Faktor Wind zugesprochen. Also „feuchte Wind-Hitze im Yin“. Der erfahrene Therapeut wird jetzt noch hergehen und mittels Zungen- und Pulsdiagnose, die unerlässlich ist in der chinesischen Medizin, und zwar bei jeder Behandlung, auch der, die 3 Tage später erfolgt, diese Diagnose individualisieren, d. h., er überprüft, ob die Schädigung des Yin oder die Feuchtigkeit oder die Hitze oder der Wind im Vordergrund stehen.

Es ist eigentlich nun unerheblich im Sinne der chinesischen Medizin, welche der fünf Therapierichtungen der Therapeut jetzt ausführt, er muss es nur im o. a. Sinne richtig machen. Es wäre also eine chinesisch-diätetische Beratung ebenso möglich wie eine individuelle Kräuterkomposition, die ein- bis zweimal wöchentlich überprüft werden müsste, wie auch z. B. eine Akupunkturbehandlung, bei der man Punkte auswählt, die das Yin stabilisieren und Feuchtigkeit, Hitze und Wind austreiben.

Der Autor möchte an dieser Stelle betonen, dass dies lediglich einen kurzen Abriss der Thematik darstellt ohne Anspruch der Vollständigkeit. Es sollen hier dem leidgeprüften Patienten Möglichkeiten dargestellt werden, die ihm neue Wege eröffnen können, mehr nicht.

Herbert Vater
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